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Krankheiten referenzindex «Reizblase»

ReizblaseReizblaseReizblase

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Keine Alterserscheinung

Quält Sie ein unaufschiebbarer Harndrang? Geht beim Niesen oder Husten unbeabsichtigt Urin ab? Müssen Sie manchmal so dringend zur Toilette, dass Sie es gelegentlich nicht mehr rechtzeitig schaffen? Beeinträchtigt Sie die Angst, unbeabsichtigt Harn zu verlieren, in Ihren täglichen Aktivitäten? Müssen Sie nachts dauernd aufs Klo? Wenn Sie eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet haben, leiden Sie möglicherweise an einer Reizblase.

Eine Reizblase ist keine Alterserscheinung und auch keine natürliche Folge von Geburten, sondern eine häufige Erkrankung, die in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern vorkommen kann. Frauen sind allerdings häufiger von der Reizblase betroffen als Männer.

Viele Menschen mit einer Reizblase schweigen aus falscher Scham über ihr Problem, auch beim Arzt. Manchmal sind die Beschwerden so stark ausgeprägt, dass sich Betroffene kaum mehr in die Öffentlichkeit wagen. Dabei ist die Reizblase behandelbar.

Ursache unbekannt

Die Reizblase ist eine Form der Inkontinenz. Welche genauen Ursachen zu einer Reizblase führen, ist nicht bekannt. Ein plötzlicher Harndrang entsteht, wenn sich die Blasenmuskulatur verkrampft. Ob dies geschieht, weil die Nerven einen falschen "Füllungszustand" an das Gehirn melden oder ob es sich um ein falsch erlerntes Verhalten handelt, ist unklar. Im Gegensatz zu Erkrankungen des Harntrakts, etwa Infektionen, welche auch ständigen Harndrang hervorrufen können, liegen bei der Reizblase keine körperlichen Ursachen vor.

Beschwerden je nach Situation

Typische Beschwerden einer Reizblase treten meist in bestimmten Situationen auf, beispielsweise bei seelischer Belastung oder kalten Füßen. Allerdings kann die Angst vor dem erneuten plötzlichen Harndrang dazu führen, dass die Symptome der Reizblase an Intensität zunehmen und in immer mehr Situationen auftreten. Auch übermäßiger Genuss von Alkohol, Kaffee oder Nikotin kann die Symptome verschlimmern. Im Vordergrund bei einer Reizblase steht häufiger Harndrang, teils nur leicht, teils so massiv, dass ein normales Leben wegen des ständigen Toilettengangs unmöglich ist. Dabei sind die abgegebenen Urinmengen nur sehr gering. Gelegentlich kommt es bei einer Reizblase auch zu Brennen beim Wasserlassen.

Urintest, Ultraschall, Tagebuch

Eine Infektion der Harnwege kann Beschwerden verursachen, die denen der Reizblase sehr ähnlich sind. Im Gegensatz zu einer Reizblase lassen sich aber bei einer Harnwegsinfektion Keime im Urin nachweisen. Bei Frauen ist ein Vorfall der Gebärmutter, bei Männern eine Erkrankung der Prostata auszuschließen.

Um abzuklären, ob tatsächlich eine Reizblase hinter den Beschwerden steckt, sollten Betroffene am besten einen Urologen aufsuchen. Meist führt dieser einen Urintest und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege durch. Mittels urodynamischer Untersuchungen wird überprüft, welche Urinmengen die Blase speichern kann, ob die Blasenmuskulatur richtig arbeitet und der Verschluss der Harnröhre durch die Beckenbodenmuskulatur intakt ist. Manchmal sind zur Diagnose der Reizblase auch weitere Spezialuntersuchungen wie eine Röntgenuntersuchung der Blase notwendig.

Bei einer Reizblase ist es auch wichtig, in welchen Situationen der Harndrang auftritt. Hier kann ein sogenanntes Miktionstagebuch sehr hilfreich sein. Schreiben Sie auf, was Sie gegessen und getrunken haben, wann und in welcher Situation Sie zur Toilette müssen. Meist lassen sich nach einiger Zeit bestimmte Muster erkennen, welche die Auslöser für den unwillkürlichen Harnabgang sind. Einen Vordruck für ein Miktionstagebuch finden Sie auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Inkontinenz (www.kontinenz-gesellschaft.de/miktionstagebuch.pdf).

Therapie - ein Puzzle

Eine Reizblase lässt sich meist durch Medikamente, eine Psychotherapie sowie Kontinenztraining wieder unter Kontrolle zu bringen.

Medikamente: Es kommen vor allem Arzneien zum Einsatz, welche die Blasenmuskulatur entkrampfen. Anticholinergika wirken auf die Blasenmuskulatur und das Nervensystem. Spasmolytika wirken nur auf die Blasenmuskulatur und setzen die Kontraktionsbereitschaft herab, also die Bereitschaft des Blasenmuskels, sich zusammenzuziehen.

Psychotherapie: Meist wird der Harndrang bei einer Reizblase durch bestimmte Situationen, seelische Belastungen und Konflikte hervorgerufen. Daher kann bei einer Reizblase eine Psychotherapie hilfreich oder sogar notwendig sein. Eine wertvolle Hilfe bei der Psychotherapie ist das Miktionsprotokoll, um die auslösenden Situationen zu analysieren. Der Psychotherapeut versucht dann zusammen mit dem Betroffenen, eine neue Lösungsstrategie für die belastenden Situationen zu finden.

Eine Verhaltenstherapie kann bei einer Reizblase helfen, das Harnentleerungsverhalten zu ändern. So kann man beispielsweise versuchen, eine Harnentleerung auf bestimmte Zeiten festzulegen. Ziel ist es, dass sich die Blase an bestimmte vorgeschrieben "Regeln" hält und die Zeiten zwischen zwei Toilettengängen immer größer werden.

Auch andere Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können unterstützend wirken. Beide Entspannungstechniken sollten Sie nach Möglichkeit täglich anwenden. Sie müssen aus der Fülle der Möglichkeiten die Methode herausfinden, die für Sie passt. Bei der Progressiven Muskelentspannung werden bewusst alle Muskeln entspannt, was manchmal auch bei einer Reizblase hilft. Beide Techniken können Sie beispielsweise an der Volkshochschule erlernen.

Kontinenztraining: Es soll helfen, den Harndrang zu kontrollieren. Große Erfolge wurden bei der Behandlung von unfreiwilligem Urinabgang erzielt. Menschen mit Reizblase werden oft von der Angst beherrscht, dass im Zweifelsfall keine Toilette in der Nähe ist. Das Kontinenztraining kann unter ärztlicher Aufsicht, aber auch zu Hause durchgeführt werden. Dabei trainiert man mit speziellen Übungen die Beckenbodenmuskulatur.

Versuchen Sie zunächst, den Harndrang für einige Minuten zu unterdrücken, bevor Sie die Toilette aufsuchen. Nehmen Sie bewusst in Kauf, dass notfalls auch etwas Urin abgeht. Die Blasenentleerung zu unterdrücken, erfordert anfangs Ihre gesamte Konzentration. Halten Sie die Zeit, die Sie aushalten konnten, im Miktionsprotokoll fest. Das dient Ihnen als Erfolgskontrolle. Gelingt es Ihnen, den Besuch der Toilette wenige Minuten hinauszuzögern, können Sie diese Zeitspanne langsam verlängern. Nach einer Weile müssen Sie auch nicht mehr Ihre volle Aufmerksamkeit auf die Blase richten, um sie zu kontrollieren. Das neue Verhalten hat sich automatisiert. Hier überschneiden sich Kontinenztraining und Verhaltenstherapie.

Weitere Methoden: In manchen Fällen kann bei einer Reizblase auch eine Elektrostimulationstherapie versucht werden. Zum einen stimuliert sie die Beckenbodenmuskulatur, zum anderen kann die übersteigerte Aktivität der Blasenmuskulatur verringert werden.

Spezielle Kugeln oder konische geformte Gewichte, die in die Scheide eingeführt werden trainieren die Beckenbodenmuskulatur und können bei einer Reizblase ebenfalls hilfreich sein.


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