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Krankheiten referenzindex «Reizdarm - Medikamente»

Das Reizdarm-Syndrom" (RDS) beziehungsweise "Irritable Bowel Syndrome" (IBS) hat viele Gesichter. Eine pauschale Therapieempfehlung für Reizdarm-Patienten gibt es nicht, weil die Beschwerden sehr unterschiedlich sind, sich häufig ändern können und weil die Ursachen noch weitgehend im Dunkeln liegen. Meist steht eines der vier typischen Reizdarm-Symptome im Vordergrund: Schmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen. Mit Medikamenten versucht man, die Beschwerden zu lindern, um die Lebensqualität zu verbessern. Welches Mittel hilft, muss jeder Reizdarm-Betroffene ausprobieren.

Gestörtes Wechselspiel

Meist nehmen Reizdarm-Patienten die Beschwerden diffus im gesamten Bauchraum wahr. Mediziner nehmen an, dass die Ursache in einem gestörten Wechselspiel der Nerven ("Bauchhirn") mit der Muskulatur des Darms zu suchen ist. Daran soll auch der Botenstoff Serotonin beteiligt sein. Ist die Darmmuskulatur zu schlaff oder aber spastisch verkrampft kommt es zur Verstopfung (spastische Obstipation), eine beschleunigte Darmbewegung (Peristaltik) führt dagegen zu Durchfällen. Reagiert das Nervensystem beim Reizdarm-Syndrom übersensibel, können schon normale Verdauungsvorgänge, die den Darm nur leicht dehnen, starke Schmerzen hervorrufen.

1) Krämpfe und Schmerzen

Wer als Reizdarm-Patient ein übersensibles "Bauchhirn" hat, nimmt schon ganz normale Verdauungstätigkeiten als sehr schmerzhaft wahr. Oft verursachen Darmkrämpfe oder Blähungen Schmerzen.

In der traditionellen Heilkunde werden eine ganze Reihe von Heilpflanzen bei Darmbeschwerden eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Pfefferminze, Anis, Fenchel oder Kümmel. Sie greifen auf verschiedene Weise in die Verdauung ein. Reizdarm-Patienten trinken sie als Tee, schlucken sie als Tinktur auf Zucker beziehungsweise in Wasser oder nehmen sie als Tabletten ein. Die Stoffe aus den Pflanzen wirken beruhigend, krampflösend, entblähend, schmerzlindernd oder entzündungshemmend.

Gegen starke Krämpfe helfen krampflösende Mittel (Spasmolytika), zum Beispiel Butylscopolamin, Mebeverin oder Trospiumchlorid, welche die verkrampfte Muskulatur beim Reizdarm-Syndrom entspannen. In manchen Präparaten findet man krampflösende Mittel kombiniert mit Schmerzmitteln. Gegen starke Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden; aufgrund der Nebenwirkungen und der Abhängigkeitsgefahr sollten diese aber nur kurzfristig eingenommen werden.

Da der Botenstoff Serotonin sowohl im "Bauchhirn" bei Reizdarm als auch im Gehirn bei Depressionen eine Rolle zu spielen scheint, sind Antidepressiva gegebenenfalls auch bei schmerzbetontem Reizdarm eine Alternative.

2) Durchfall

Gegen Durchfall stehen Reizdarm-Patienten die ganze Reihe an Durchfallmitteln zur Verfügung. Zunächst gilt es, den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt wieder auszugleichen. Trinken Sie daher täglich zwei bis drei Liter stilles Mineralwasser. Zudem gibt es fertige Mineralstoffpulver, die - mit Wasser vermischt - den Elektrolythaushalt optimal wieder auffüllen.

Manchen Reizdarm-Patienten helfen Gerbstoffe, welche die Darmschleimhaut abdichten. Gerbstoffe sind nach langem Ziehen im schwarzem Tee oder Eichenrindentee enthalten. In der Apotheke gibt es auch fertige Gerbstoff-Präparate in Tablettenform.

Ist der Durchfall beim Reizdarm sehr stark, hilft Loperamid, ein Opium-ähnlicher Stoff, der jedoch nicht abhängig macht. Es stellt die Muskulatur des Darmes ruhig. Dadurch hat die Darmschleimhaut wieder längere Zeit Kontakt mit dem Stuhl und kann den Stuhl eindicken. Mit Loperamid sollte nur kurzfristig selbstbehandelt werden. Vor einer längeren Anwendung muss der Arzt befragt werden.

Sind die Durchfälle durch Gallensäuren bedingt, helfen sogenannte Gallensäurebinder. Die Säuren werden im Darm gebunden, können ihre unerwünschte Wirkung nicht entfalten und werden schließlich ausgeschieden.

3) Verstopfung

Die Mittel gegen Verstopfung beim Reizdarm-Syndrom sind zahlreich. Quellstoffe reichern den Stuhl mit unverdaulichen Faserstoffen an. Dadurch wird der Stuhl aufgelockert und kann leichter ausgeschieden werden. Wichtig ist es, ausreichend dazu zu trinken, damit die Faserstoffe quellen können. Da sie Schleimstoffe enthalten, gleitet der Stuhl sanft durch den Darm.

Gegen Verstopfung beim Reizdarm-Syndrom können des Weiteren Zäpfchen oder kleine Klistiere angewendet werden, die über Gasentwicklung, wasserziehendes Glycerol oder Salze den Stuhlreflex reizen.

Milchzucker (Laktose), Lactulose oder Macrogol sind weitere Abführmittel, die Wasser in den Darm ziehen, was den Stuhlreflex auslöst.

Sogenannte Prokinetika beschleunigen die Magenentleerung und helfen dadurch auch gegen Übelkeit und Brechreiz. Eine Reihe von Heilpflanzen haben eine ähnliche Wirkung, zum Beispiel Kümmel, Anis, Fenchel, Kamille, Süßholz oder Wermut. Sie können beim Reizdarm-Syndrom als Tee getrunken oder in Tinkturen verwendet werden. Bestimmte Bakterien oder Hefekulturen können möglicherweise Aufgaben im Verdauungsprozess übernehmen und ihn dadurch beschleunigen.

Abführmittel sollten beim Reizdarm-Syndrom nur hartnäckigen Fällen vorbehalten bleiben, da viele den Darm bei Dauerbehandlung abhängig und erst recht träge machen können. Moderne chemische Wirkstoffe wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat wirken innerhalb von vier bis sechs Stunden. Etwas verträglicher sind Zäpfchen, deren Wirkung bereits nach 30 bis 60 Minuten eintritt. Pflanzliche Abführmittel aus Aloe, Sennesblättern oder Faulbaum wirken erst nach acht bis zehn Stunden. Daher nimmt man sie vor dem Schlafengehen. Bei langfristiger Anwendung stehen sie allerdings unter dem Verdacht, krebserregend zu sein.

4) Blähungen

Gase sind ein natürliches Nebenprodukt der Verdauung. Bei Verdauungsstörungen, wie beim Reizdarm-Syndrom, können sich jedoch unangenehm viele Gase bilden, die als Winde abgehen oder sich als Gasansammlung im Darm festsetzen und Schmerzen verursachen (Blähungen). Mit Medikamenten lässt sich die Gasbildung verhindern oder die Gasausscheidung erleichtern.

Ist eine vermehrte Schaumbildung durch Verdauungsprozesse der Grund für die Blähungen, helfen entschäumende Medikamente wie Simeticon. Sie lassen die kleinen Gasbläschen zu großen ineinander fließen, die leichter weitertransportiert und ausgeschieden werden können. Außerdem haben diese Medikamente den Vorteil, dass sie nicht vom Körper aufgenommen werden und daher so gut wie keine Nebenwirkungen haben.

5) Antidepressiva

Bei schweren Reizdarm-Beschwerden können Medikamente eingesetzt werden, die normalerweise gegen Depression verordnet werden (Antidepressiva). Diese wirken auf die Botenstoffe des Darmnervensystems. An erster Stelle werden sogenannte trizyklische Antidepressiva eingesetzt. Alternativ sind Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) möglich. Die Antidepressiva machen zwar nicht abhängig, haben jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen (von Müdigkeit, über Mundtrockenheit bis hin zu seltenen Leberschäden). Neue Medikamente, die gezielt auf das Darmnervensystem wirken, um das Reizdarm-Syndrom zu behandeln, sind in der Entwicklung.


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