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Krankheiten referenzindex «Reizdarm (Reizkolon, Colon irritabile)»

Reizdarm (Reizkolon, Colon irritabile)

Was ist ein Reizdarm?

Das Reizdarm-Syndrom ist eine Funktionsstörung des Verdauungstrakts mit chronischen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall oder Verstopfung, oder beides im Wechsel) und Blähungen. Die Symptome treten häufiger tagsüber auf als nachts. Typischerweise findet der Arzt beim Reizdarm-Syndrom keine krankhaften Organveränderungen.

Ein Reizdarm - Mediziner sprechen auch von einem Colon irritabile - ist vergleichsweise harmlos. Auch wenn die Beschwerden oft Monate, Jahre oder manchmal ein Leben lang andauern und das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen: Sie sind nicht bösartig, nicht ansteckend, erhöhen das Darmkrebs-Risiko nicht und schränken auch die Lebenserwartung nicht ein.

Das Reizdarm-Syndrom tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal in Erscheinung. Das Reizdarmsyndrom kommt sehr häufig vor; Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Bei jedem Zweiten, den Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung plagen, finden die Ärzte keine organische Ursache für die Beschwerden. Vermutlich sind Funktionsstörungen des Verdauungstrakts für die Beschwerden verantwortlich.

Wie entsteht ein Reizdarm?

Die genaue Ursache des Reizdarms ist nicht ausreichend bekannt. Vermutlich ist bei der Entstehung des Reizdarm-Syndroms eine Störung des Informationsaustauschs zwischen Gehirn und Darm beteiligt. Der Nerven-Botenstoff Serotonin (unter anderem verantwortlich für die Steuerung der Darmfunktion und der Schmerzwahrnehmung) spielt wahrscheinlich eine Schlüsselrolle. Für diese Erklärung spricht die Beobachtung, dass beim Reizdarm-Syndrom die Bewegungsabläufe im Darm gestört sind und in vielen Fällen die Wahrnehmung schon normaler Verdauungsvorgänge schmerzhaft gesteigert ist. Die Beschwerden werden häufig von folgenden Umständen ausgelöst oder verschlimmert:

  • Seelische und körperliche Belastung (Stress und Ärger verstärken die Beschwerden)
  • Ernährung (Unverträglichkeiten, Essverhalten, Ernährungsweise)

Zudem fanden Forscher bei Menschen mit Reizdarm-Syndrom eine erhöhte Zahl von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) in der Darmwand. Solche Veränderungen sprechen für eine Entzündung der Darmwand.

Welche Anzeichen treten auf?

Der Reizdarm macht sich durch eine Reihe von typischen, oft quälenden Beschwerden bemerkbar, die sich tagsüber steigern können, nachts jedoch aufhören:

  • Schmerzen, Krämpfe und Missempfindungen im gesamten Bauchbereich, die sich nach dem Stuhlgang bessern
  • Druckgefühl im Unterbauch, Völlegefühl
  • Durchfall oder Verstopfung oder Wechsel zwischen beiden
  • Veränderte Stuhlzusammensetzung (hart, wässrig oder breiig)
  • Blähungen und laute, hörbare Darmgeräusche

Beschwerden, die nicht den Verdauungstrakt betreffen, aber oft mit dem Reizdarm-Syndrom einhergehen, sind:

  • Psychosomatische oder psychische Erkrankungen (Angst, Depression)
  • Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen

Wie erfolgt die Diagnose?

Die entscheidenden Hinweise auf ein Reizdarm-Syndrom bekommt der Arzt aus der Krankengeschichte, denn die Beschwerden sind sehr charakteristisch.

Bevor die Diagnose Reizdarm feststeht, müssen jedoch andere Krankheiten wie  Morbus Crohn, chronische Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa), Darmkrebs, Unverträglichkeit von Milchzucker, Unverträglichkeit von Fruchtzucker, Gluten-Unverträglichkeit oder Magen-Darm-Infekte ausgeschlossen sein.

Folgende Untersuchungen können sinnvoll sein:

  • Laboruntersuchungen
  • Untersuchung des Stuhls auf Blut, Bakterien oder Parasiten
  • Ultraschall-Untersuchung des Bauches (Abdomen-Sonografie)
  • Endoskopische Untersuchung des Mastdarms und/oder des Dickdarms (Rektoskopie, Koloskopie)
  • Gabe von Milchzucker (Laktose-Belastungstest), um eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker auszuschließen
  • In einigen Fällen Röntgen-Untersuchung des Dünndarms
  • Ggf. Computertomografie (CT)
  • Psychosomatische Untersuchung

Wie wird der Reizdarm behandelt?

Eine dauerhafte Heilung des Reizdarm-Syndroms ist derzeit nicht möglich. Die Therapie zielt in erster Linie darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Die Behandlung umfasst Ernährungsmaßnahmen, Medikamente und psychotherapeutische Behandlung.

Diät:

  • Eine spezielle Reizdarm-Diät gibt es nicht.
  • Vermeiden Sie jedoch alle Speisen und Getränke, die Ihre Reizdarm-Beschwerden verschlimmern, zu Blähungen führen, sowie starke Gewürze, Kaffee, Alkohol und Nikotin.
  • Essen Sie viele kleine Portionen statt weniger großer.
  • Trinken Sie reichlich Wasser.
  • Lassen Sie sich von einer Ernährungsberatung helfen.

Medikamente: Präparate gegen Reizdarm-Beschwerden sollten nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden:

  • Bei Krämpfen werden krampflösende Mittel (wie Butylscopolamin oder Mebeverin) gegeben. Auch manche Substanzen gegen Depressionen (trizyklische Antidepressiva) haben eine solche Wirkung.
  • Bei Verstopfung helfen Ballaststoffe (günstig sind z.B. Kleie oder Leinsamen) oder ggf. Abführmittel (z.B. Lactulose, Macrogol oder Bisacodyl).
  • Bei Durchfall werden Quellmittel (z.B. Pektine, Flohsamenpräparate) und stuhlganghemmende Medikamente (z.B. Loperamid) empfohlen.
  • Bei Blähungen können pflanzliche Präparate (Kamille, Kümmel, Fenchel, Anis u.a.), Schaumhemmer (wie Simeticon) und Quellmittel gegeben werden.
  • Schmerzmittel je nach Stärke der Schmerzen (nicht-steroidale Entzündungshemmer, Opioide)
  • Auch pflanzliche Mittel wie Pfefferminze helfen gegen die Reizdarm-Beschwerden.
  • Auflegen von Wärmflaschen bei akuten Beschwerden

Psychotherapeutische Behandlung:

  • Progressive Muskelentspannung und andere Entspannungsübungen, Hypnose, Psychotherapien wie eine Verhaltenstherapie werden bei Reizdarm individuell eingesetzt.

Was können Sie selbst tun?

  • Führen Sie ein Tagebuch, um herauszufinden, was Ihre Reizdarm-Beschwerden verursacht (Tages- und Arbeitsrhythmus, Stress, Ernährungsgewohnheiten, Medikamente).
  • Verringern Sie beruflichen oder privaten Stress, machen Sie Entspannungsübungen.
  • Bewegung ist wichtig, um die Darmfunktion zu stärken und Stress zu mindern.
  • Wärme kann die Reizdarm-Beschwerden lindern (Wärmflaschen, Wärmedecken).

Prognose und allgemeine Komplikationen

Ein Reizdarm-Syndrom ist nicht gefährlich, es führt nicht zu Darmkrebs. Trotzdem beeinträchtigt es die Lebensqualität oft sehr. Die Reizdarm-Beschwerden sind häufig chronisch und können ein Leben lang auftreten. Sie können zu- oder abnehmen und auch für einige Zeit abklingen. Ursächlich behandeln lässt sich das Syndrom bislang nicht, jedoch können die richtige Therapie und Lebensweise Beschwerden lindern. Deshalb ist es für Reizdarm-Patienten sehr wichtig, einen erfahrenen Arzt ihres Vertrauens zu finden.


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