Medikamente Online-Informationen
Medikamente und Krankheiten Referenzindex

Drugs and diseases reference index
Suche
DE


Medikamente A-Z

Krankheiten & Heilung List

Medizin-Lexikon

Vollständiger Artikel

Beliebte Medikamente

Popular Krankheiten & Heilung

Krankheiten referenzindex «Follikuläre Lymphome»


Follikulären Lymphome sind relativ seltene, aber bösartige Erkrankungen des Lymphsystems, die unter anderem zu Lymphknotenschwellungen, einer vergrößerten Milz oder Leber, einer gestörten Blutbildung sowie zu Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust führen können. Pro Jahr erkranken etwa 5 bis 7 von 100.000 Menschen in Deutschland neu an Follikulären Lymphomen. Behandelt werden Follikuläre Lymphome in der Regel mit einer Chemo-Immunotherapie.

Was sind Follikuläre Lymphome?


Follikuläre Lymphome gehören zu einer Gruppe von verschiedenen bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems, die aus historischen Gründen als indolente (wörtlich: schmerzfrei, hier eher im Sinne von: über längere Zeit langsam wachsend) Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) bezeichnet werden.

Das Lymphsystem, dessen Aufgabe es ist, Infektionen und Entzündungen zu bekämpfen, besteht aus einem im gesamten Körper verzweigten System feinster Röhrchen. Dieses System ist an zahlreichen Stellen mit kleinen linsen- bis bohnenförmigen Organen besetzt ist, die als Lymphknoten bezeichnet werden. Diese Lymphknoten befinden sich u.a. vorwiegend in Gruppen am Hals, in den Achselhöhlen, den Leisten, im Bauchraum und im Bereich zwischen rechter und linker Lunge (Mediastinum). Zu den Lymphorganen gehören aber auch die Mandeln, die Milz, die Thymusdrüse und - im weiteren Sinne - das blutbildende Knochenmark.

In den Röhrchen des Lymphsystems zirkuliert eine klare Flüssigkeit (= Lymphe), in der eine bestimmte Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die sog. Lymphozyten, schwimmt. In den Lymphorganen werden in unterschiedlicher Gewichtung diese Lymphozyten produziert, präsentiert, programmiert, gelagert und an ihrem Lebensende abgebaut. Die Lymphozyten haben die Aufgabe, in den Körper eingedrungene Krankheitskeime zu bekämpfen, wobei - grob gesagt - die B-Lymphozyten Antikörper gegen Bakterien bilden und die T-Lymphozyten für die Vernichtung von Viren zuständig sind, aber auch die B-Lymphozyten bei der Bildung der Antikörper unterstützen.

Aufgrund der beschriebenen Allgegenwärtigkeit lymphatischer Gewebe und Zellen im Körper wird klar, warum bösartige Follikuläre Lymphome nahezu überall entstehen und sich überallhin ausbreiten können. Bei den Follikulären Lymphomen beginnen sich B-Lymphozyten anfangs vorwiegend in den Lymphknoten bösartig zu verändern und sich unkontrolliert zu vermehren. Man unterscheidet innerhalb der Gruppe der Follikulären Lymphome zusätzlich zwischen Grad I, Grad II und Grad III abhängig von der mikroskopischen Untersuchung des Lymphomgewebes. Grad III wird den aggressiven Lymphomen zugeordnet und hier nicht besprochen.

Wie und wodurch entstehen Follikuläre Lymphome und wer bekommt sie?


Ungefähr 25 Prozent aller Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind Follikuläre Lymphome. Pro Jahr erkranken etwa 5 bis 7 von 100.000 Menschen neu, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei 60 Jahren liegt und beide Geschlechter etwa gleich häufig betroffen sind.

Verschiedene Risikofaktoren für das Auftreten Follikulärer Lymphome werden diskutiert, beispielsweise organische Lösungsmittel, Haarfärbemittel, Pestizide und Herbizide, Hepatitis C, AIDS (für bestimmte aggressive Lymphomarten gesichert), Medikamente zur Unterdrückung der Organabstossung bei Transplantationen oder rheumatische Erkrankungen. Diese Risikofaktoren sind aber keineswegs überwiegend durch harte Fakten gesichert.

Bei fast 90 Prozent der Follikulären Lymphome ist eine bestimmte genetische Veränderung nachweisbar (Gen: der Abschnitt des Trägers der Erbinformation DNA, der die Information für die Herstellung eines Proteins = Eiweiß enthält): Durch einen nicht vorgesehenen Austausch von Chromosomabschnitten (Chromosomen: nur während der Zellteilung unter dem Mikroskop sichtbare, DNA tragende Struktureinheiten) der Chromosomen 14 und 18 kommt es zu einer dauerhaften Inbetriebnahme eines krebsstimulierenden Gens, des Onkogens bcl-2 (Onkogene: Gene, die an der Entstehung von Krebskrankheiten beteiligt sind). Das führt dazu, dass das natürliche „Selbstmordprogramm“, welches alte und kranke Zellen absterben lässt, nicht gestartet werden kann und die Lymphomzellen somit unsterblich werden. D.h. das Krebswachstum bei Follikulären Lymphomen entsteht nicht durch eine vermehrte Produktion der Zellen, sondern gewissermassen demoskopisch durcheine stetige Anhäufung von alten, kranken, aber unsterblichen Zellen.

Kommentar «Follikuläre Lymphome»