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Krankheiten referenzindex «Konversionsstörungen bzw. dissoziative Störungen»

von Paul L. Janssen

Unter Konversionsstörungen (F44.0 bis 44.9) versteht man heute (früher wurden die Störungen unter dem Begriff Hysterie zusammengefasst) die dissoziativen Störungen der Bewegungs- und Sinnesempfindung. Es handelt sich um die Störung einer körperlichen Funktion (Sensibilität, Sensorik und Motorik), die nicht den Konzepten der Anatomie und Physiologie des zentralen oder peripheren Nervensys-tems entspricht. Zunächst kann man aber an eine neurologische („pseudoneurologische“) oder andere somatische Erkrankungen denken.

Die Symptomatik entsteht in Zusammenhang mit vorangegangenen Konflikt- und Belastungssituationen. Die Lebenszeitprävalenz in der Allgemeinbevölkerung soll bis zu 5 % betragen. Die meisten Konversionsstörungen treten akut und vorübergehend auf und remittieren (nachlassen) schnell.

Die Behandlungsmethode der Wahl ist eine psychodynamische bzw. psychoanalytische Psychotherapie. In schweren Fällen ist auch eine stationäre Behandlung indiziert.

Dissoziative Störungen des Bewusstseins umfassen die Begriffe:

  • Dissoziative Amnesie: Rezidivierende (wiederkehrende) oder einmalig auftretende Erinnerungslücken an bestimmte Lebensereignisse oder Lebensphasen. Die Amnesie bezieht sich häufig auf traumatische anderweitige belastende oder konflikthafte Lebenssituationen
  • Dissoziative Fugue (krankhafter Wandertrieb): Plötzliches und unerwartetes Entfernen aus der gewohnten Umgebung. Amnesie für die Vergangenheit und der persönlichen Lebenssituation während dieses Zustandes
  • Dissoziativer Stupor: Ein Erstarrungszustand mit mangelnder Bewegung und Aufhören der Bewegung, sowie mutistischer Zustände, Inaktivität und Nicht-Reagieren auf Umgebungs- und Schmerzreize, Verweigerung von Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr
  • Depersonalisations- und Derealisationssyndrome: Das eigene Selbst wird verändert, entfremdet, unwirklich wahrgenommen (Depersonalisation). Gedanken, Gefühle und Handlungen werden als nicht mehr zum Selbst gehörig erlebt (wie ein Roboter), andere Sinnesempfindungen (Hören, Sehen etc.) und allgemeine Körpergefühle (Hunger, Durst, Appetit etc.) können ebenfalls gestört sein
  • Dissoziative Krampfanfälle: Paroxysmale (anfallsartig auftretend) unfreiwillige Verhaltensmuster, die epileptische Anfälle nachahmen und durch eine plötzliche, zeitlich begrenzte Störung der Kontrolle motorischer, sensorischer, autonomer, kognitiver und emotionaler Verhaltensmuster charakterisiert sind
  • Dissoziative Identitätsstörung: Dieses Syndrom ist die schwerste Erkrankung der dissoziativen Bewusstseinsstörungen. Zentral ist das Vorhandensein mindestens zwei unterscheidbarer Teilidentitäten oder Persönlichkeitszustände, die jeweils die Kontrolle über das Verhalten des Betroffenen übernehmen und für die gegenseitig eine Amnesie besteht. Dabei handelt es sich um dissoziierte Aspekte der Gesamtpersönlichkeit, die sich jeweils in speziellen Fähigkeiten, Alter, Geschlecht, Affektzustand u.a. unterscheiden können. Der Wechsel der Zustände kann durch verschiedene, häufig Trauma assoziierte Auslösereize verursacht werden. Daneben können alle Symptome der anderen dissoziativen Bewusstseinsstörungen (Amnesie, Fugue u.a.) vorhanden sein.

Je nach Schweregrad ist eine psychodynamische Kurztherapie oder auch eine längerfristige, manchmal auch stationäre psychodynamische Behandlung unter Ergänzung spezifischer Traumatherapieformen, wie imaginative Traumatherapie, EMDR erforderlich. Bei entsprechender Komorbidität ist auch eine psychopharmakologische Therapie indiziert, z.B. bei Depression.


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