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Krankheiten referenzindex «Malaria - Vorbeugung und Behandlung»

Malaria - Vorbeugung und Behandlung

Vorbeugen mit Medikamenten - ja oder nein?

Wesentliche Schutzmaßnahmen gegen Malaria sind:

  • Vermeidung von Mückenstichen (Expositionsprophylaxe)
  • Einnahme von Malaria-Medikamenten (Chemoprophylaxe)

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DTG) empfiehlt, vor allem auf den Mückenschutz zu achten und nur dann vorbeugend Medikamente einzunehmen, wenn in Ihrem Urlaubsgebiet und der gewünschten Reisezeit sehr häufig Infektionen auftreten. Denn in den letzten Jahren ist Plasmodium falciparum, der Erreger der gefährlichen Malaria tropica, immer unempfindlicher gegen die bestehenden Malaria-Medikamente geworden, weil diese in der Vergangenheit zu häufig zum Einsatz kamen.

Damit sich die Resistenzen also nicht ausbreiten, setzt man Malaria-Medikamente zur Vorbeugung heute kritischer ein als früher. Für viele Reiseziele reicht es aus, für den tatsächlichen Krankheitsfall ein Medikament zur notfallmäßigen Selbstbehandlung (Stand-by-Therapie, siehe unten) dabei zu haben.

Wenn Sie vorbeugend Malaria-Medikamente einnehmen müssen, gilt: Arzneimittel ersetzen in keinem Fall den Schutz vor dem Stich der Überträger-Mücke Anopheles, denn sie schützen nicht hundertprozentig vor einer Infektion. Nehmen Sie die nötigen Medikamente unbedingt laut Vorschrift ein - auch nach dem Urlaub. Denn die Medikamente verhindern nicht die Infektion, sondern halten die Malaria-Erreger nur in Schach und töten sie langsam ab. Werden die Arzneimittel zu früh abgesetzt, können die Erreger wieder erstarken, und die Krankheit bricht aus.

Schwangere und Kleinkinder

Fahren Sie während einer Schwangerschaft möglichst nicht in Malaria-Risikogebiete. Zum einen besteht bei keinem Medikament die Gewissheit, dass es für die Entwicklung des Kindes unbedenklich ist. Zum anderen schadet eine Malaria-Erkrankung dem Ungeborenen. Auch Kindern unter fünf Jahren ist vom Aufenthalt in Malariagebieten abzuraten. Ist eine Reise unumgänglich, muss ein erfahrener Arzt das Risiko abschätzen.

Vorbeugen und behandeln

Zur Vorbeugung der Malaria finden in der Regel die gleichen Medikamente Anwendung wie zur Abtötung der Plasmodien. Welches Medikament für Sie in Frage kommt, wählt der Arzt hauptsächlich nach dem Erregertyp in Ihrem Reisegebiet und dessen Resistenz gegenüber bestimmten Medikamenten aus. Weiterhin werden Vorerkrankungen, die regelmäßige Einnahme anderer Medikamente und Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Stoffen berücksichtigt.

Besteht anhand der Symptome der Verdacht auf Malaria, und ist im Urlaubsgebiet innerhalb von 24 Stunden kein Arzt erreichbar, müssen Sie sich notfallmäßig selbst behandeln (Stand-by-Therapie). Das Einnahmeschema ist nicht nur bei jedem Medikament unterschiedlich, sondern auch vom Körpergewicht abhängig. Daher bestehen gerade für Kinder gesonderte Dosierungsempfehlungen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie ausreichende Mengen für eine Notfallbehandlung dabei haben und halten Sie Ihr persönliches Schema parat.

Aber auch Komplikationen wie hohes Fieber, Durchfall und Herz-Kreislauf-Beschwerden muss man in den Griff bekommen. Daher müssen Sie nach jeder (auch erfolgreicher) Selbstbehandlung so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen. Denn auch im Nachhinein können Komplikationen auftreten.

Malaria-Medikamente

Folgende Medikamente stehen für eine Malaria-Therapie und/oder Prophylaxe zur Verfügung:

  • Chloroquin kann in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz zur Malariatherapie, zur selbstständigen Notfalltherapie und zur Prophylaxe verwendet werden. Die Nebenwirkungen sind in aller Regel leicht und gehen schnell vorüber. Chloroquin erfasst allerdings nicht alle Stadien des Malaria-Erregers.
  • Mefloquin dient zur Malariabehandlung und zur Prophylaxe (hauptsächlich für Gebiete mit hohem Malaria-Risiko, in denen überwiegend Malaria tropica vorkommt). Gelegentlich werden neuropsychiatrische Nebenwirkungen beobachtet, weshalb Patienten mit psychischen Erkrankungen oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte dieses Medikament nicht nehmen sollten. Resistenzen sind in Gebieten Nordthailands bekannt.
  • Atovaqoun/Proguanil: Durch das vorteilhafte Zusammenwirken zweier Wirkstoffe kann das Medikament zur Behandlung (einschließlich der Selbstbehandlung bei einem Notfall) und Vorbeugung der unkomplizierten Malaria tropica eingenommen werden, vor allem bei vorhandenen Erreger-Resistenzen gegen andere Malariamedikamente (wie Chloroquin, Mefloquin). Selten treten Nebenwirkungen wie Übelkeit, ungewöhnliche Träume, Depressionen, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen auf.
  • Artemether/Lumefantrin: Dieses Kombinationspräparat wird zur Behandlung (inklusive der Selbstbehandlung bei einem Notfall) der unkomplizierten Malaria tropica empfohlen. Weiterhin kann es zur Akutbehandlung anderer Malariaformen eingesetzt werden. Zur Malariavorbeugung (gegen M. tropica) eignet sich diese Kombination nicht. Als Nebenwirkungen können Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten.
  • Chinin wird meist mit einem Antibiotikum kombiniert und zur Behandlung der komplizierten Malaria tropica eingesetzt.
  • Doxycyclin eignet sich nicht zur Therapie der Malaria, wird aber von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) zur Prophylaxe empfohlen.  Allerdings ist es in Deutschland dafür nicht offiziell zugelassen. Bei der Einnahme ist mit einer erhöhten UV-Empfindlichkeit der Haut zu rechnen.
  • Primaquin wird bei einer Malaria tertiana gegeben, um Rückfälle zu vermeiden. Außerdem wird es zur Vorbeugung eingesetzt.

Neben Resistenzen gegen Chloroquin kommen weltweit, je nach Gebiet, weitere Resistenzen gegen andere Malaria-Medikamente vor. Da zudem nicht jedes Malaria-Medikament beispielsweise für Schwangere und Kinder geeignet ist, muss der Arzt die Malaria-Prophylaxe sowie die Malaria-Therapie in jedem Fall individuell abstimmen.

Alle Medikamente sind verschreibungspflichtig; die Kosten werden von den Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Malaria-Medikamente werden auch im Ausland zum Kauf angeboten. Doch gerade in den Ländern, in denen Malaria auftritt, gibt es kaum Qualitätsrichtlinien - daher sind viele Fälschungen im Umlauf. Im harmlosesten Fall sind solche Medikamente bei der Malaria unwirksam, was jedoch bei einer tatsächlichen Infektion lebensgefährlich sein kann.

Keine Vorbeugen mit Homöopathie!

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt: Malaria ist eine ernste und unter Umständen lebensbedrohliche Erkrankung, der nicht mit homöopathischen Mittel begegnet werden kann. Wegen der akuten Gefährdung der Patienten, die sich auf ein homöopathisches Arzneimittel verlassen, haben Ärzte und Apotheker, die Patienten zu einer homöopathischen Malaria-Vorbeugung raten, mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Darüber hinaus gibt es aus der Sicht der klassischen Homöopathie keine Vorbeugung gegen eine spezielle Krankheit, da ein homöopathisches Arzneimittel immer erst aufgrund der beim Patienten vorliegenden Beschwerden ausgewählt wird.


Kommentar «Malaria - Vorbeugung und Behandlung»