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«Aggrastat Infusionslösungskonzentrat»

Was ist es und wofür wird es verwendet?

AGGRASTAT Mit AGGRASTAT ist im Folgenden durchgängig AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung gemeint. ist angezeigt zur Verhütung eines drohenden Herzinfarkts bei Patienten mit instabiler Angina pectoris (Herzenge) oder einem Nicht-Q-Wellen-Herzinfarkt, bei denen die letzte Episode von Brustschmerzen während der letzten 12 Stunden auftrat und EKG-Veränderungen und/oder erhöhte Myokardenzyme (Herzinfarkt-typische Laborwerte) vorliegen.
Von der Therapie mit AGGRASTAT profitieren insbesondere Patienten, die hochgefährdet sind, innerhalb der ersten Tage nach dem Auftreten der Symptome einer akuten Angina pectoris einen Herzinfarkt zu entwickeln, einschließlich z. B. solcher Patienten, bei denen evtl. eine baldige PTCA (chirurgischer Eingriff an Herzgefäßen) durchgeführt werden soll (siehe auch Dosierungsanleitung, Art und Dauer der Anwendung).
AGGRASTAT soll zusammen mit Acetylsalicylsäure und unfraktioniertem Heparin angewendet werden.

Was müssen Sie vor dem Gebrauch beachten?

Gegenanzeigen
AGGRASTAT ist nicht angezeigt bei Patienten, die überempfindlich gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparates sind oder die bei einer früheren GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonist-Anwendung eine Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen) entwickelt haben.
Da eine Hemmung der Thrombozytenaggregation (Teilschritt des Blutgerinnungsvorgangs) das Blutungsrisiko erhöht, darf AGGRASTAT nicht angewendet werden bei Patienten mit
bekanntem Schlaganfall in der Krankengeschichte innerhalb der letzten 30 Tage oder jeglichem früher aufgetretenen hämorrhagischen Schlaganfall
aus der Krankengeschichte bekannter intrakranieller Erkrankung (im Gehirn) (z. B. Neoplasma [Tumor], arteriovenöse Malformation, Aneurysma [Gefäßmissbildungen])
aktiver oder kürzlich (innerhalb der letzten 30 Tage vor der Behandlung) zurückliegender, klinisch relevanter Blutung (z. B. Blutung im Magen-Darm-Bereich)
schwerem Verlauf der Bluthochdruckerkrankung (maligner Hypertonie)
relevantem Trauma (Verletzung) oder größerem operativen Eingriff innerhalb der letzten 6 Wochen
Thrombozytopenie (Blutplättchenzahl unter 100 000/mm3), Störungen der Plättchenfunktion
Gerinnungsstörungen (z. B. Prothrombinzeit > 1,3fache der Norm oder INR (International Normalized Ratio) > 1,5)
schwerer Leberfunktionsstörung.
Schwangerschaft
ür Tirofibanhydrochlorid, den Wirkstoff von AGGRASTAT, sind keine klinischen Daten von schwangeren Patientinnen verfügbar.
Tierstudien liefern nur begrenzte Daten hinsichtlich der Einflüsse auf die Schwangerschaft, die Entwicklung des ungeborenen Kindes, den Geburtsvorgang und die Entwicklung des Kindes nach der Geburt. AGGRASTAT sollte während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden, es sei denn, der behandelnde Arzt hält dies für eindeutig erforderlich.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Tirofibanhydrochlorid, der Wirkstoff von AGGRASTAT, in die Muttermilch übertritt, jedoch ist bekannt, dass er in die Milch der Ratte übertritt. Wegen potenzieller unerwünschter Wirkungen auf das gestillte Kind sollte der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der Bedeutung des Arzneimittels für die Mutter entscheiden, ob abgestillt oder das Arzneimittel abgesetzt wird.
Kinder
Es existieren keine Therapieerfahrungen mit AGGRASTAT bei Kindern, so dass die Anwendung von AGGRASTAT bei diesen nicht empfohlen wird.
Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise
Die Anwendung von AGGRASTAT allein ohne unfraktioniertes Heparin wird nicht empfohlen.
ür die Anwendung von AGGRASTAT mit Enoxaparin liegen begrenzte Erfahrungen vor. Die Kombination von AGGRASTAT mit Enoxaparin wurde im Vergleich zur Kombination von AGGRASTAT mit unfraktioniertem Heparin häufiger mit Haut- und Mundblutungen, nicht aber Blutungen nach TIMI-Kriterien** * Starke Blutungen sind gemäß der TIMI-Kriterien definiert als Hämoglobinabfall > 50 g/l mit oder ohne identifizierte Blutungsstelle, intrakranielle Hämorrhagie oder Herztamponade. Schwache Blutungen sind definiert als Hämoglobinabfall > 30 g/l bzw. 50 g/l mit identifizierter Blutungsstelle oder spontane starke Hämaturie, Hämatemesis oder Hämoptyse. „Blutverlust ohne Blutungsstelle“ wird gemäß der TIMI-Kriterien definiert als Hämoglobinverlust > 40 g/l und < 50 g/l ohne identifizierte Blutungsstelle.* in Verbindung gebracht. Ein erhöhtes Risiko für Blutungen kann für die Kombination von AGGRASTAT mit Enoxaparin nicht ausgeschlossen werden, insbesondere bei Patienten, die zusätzlich unfraktioniertes Heparin im Rahmen einer Angiographie und/oder perkutanen koronaren Intervention erhalten. Die Wirksamkeit von AGGRASTAT in Kombination mit Enoxaparin wurde nicht geprüft. Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von AGGRASTAT in Kombination mit anderen niedermolekularen Heparinen wurde nicht untersucht.
ür die im Folgenden genannten Erkrankungen bzw. Umstände liegen keine ausreichenden Therapieerfahrungen mit AGGRASTAT vor, jedoch ist ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermuten. Deshalb wird AGGRASTAT nicht empfohlen bei
traumatischer oder verlängerter kardiopulmonaler Wiederbelebung, Organbiopsie (Organgewebeentnahme) oder Lithotripsie (Steinzertrümmerung) innerhalb der letzten 2 Wochen
schwerem Trauma (Verletzung) oder größerem operativen Eingriff vor mehr als 6 Wochen, aber weniger als 3 Monaten
aktivem peptischen Ulkus (Magen-Darm-Geschwür) innerhalb der letzten 3 Monate
unkontrollierter Hypertonie (Bluthochdruck) (> mmHg)
akuter Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
aktiver oder in der Krankengeschichte (anamnestisch) bekannter Vaskulitis (Gefäßentzündung)
Verdacht auf Aortendissektion (Gefäßwandschaden der Aorta)
hämorrhagischer Retinopathie (Netzhautblutung)
verborgenem Blut im Stuhl oder Hämaturie (Blut im Urin)
Thrombolyse-Therapie (Behandlung zur Auflösung eines Blutgerinnsels)(siehe unter Wechselwirkungen mit anderen Mitteln)
gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die relevant das Blutungsrisiko erhöhen (siehe unter Wechselwirkungen mit anderen Mitteln).
Bei Patienten, für die eine Thrombolyse-Therapie angezeigt ist (z. B. akuter transmuraler Herzinfarkt mit neuen pathologischen Q-Wellen oder ST-Segment-Hebungen oder Linksschenkelblock im EKG), existieren keine Therapieerfahrungen mit AGGRASTAT.
Demzufolge wird die Anwendung von AGGRASTAT unter diesen Umständen nicht empfohlen.
Die Infusion von AGGRASTAT soll sofort gestoppt werden, wenn Umstände eintreten, die eine thrombolytische Therapie notwendig werden lassen (inklusive eines akuten Verschlusses während der PTCA), oder falls der Patient notfallmäßig einer Bypass-Operation zugeführt werden muss oder eine Ballonpumpe in der Aorta benötigt.
ür Patienten, bei denen sofort eine PTCA durchgeführt wird, liegen begrenzte Daten zur Wirksamkeit vor.
Es existieren keine Therapieerfahrungen mit AGGRASTAT bei Kindern, so dass die Anwendung von AGGRASTAT bei diesen nicht empfohlen wird.
Weitere Vorsichtshinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Es existieren unzureichende klinische Erfahrungen hinsichtlich einer wiederholten Anwendung von AGGRASTAT.
Während der Therapie mit AGGRASTAT sind die Patienten sorgfältig hinsichtlich eventueller Blutung zu überwachen. Wird eine Blutungsbehandlung erforderlich, ist ein Absetzen von AGGRASTAT zu erwägen (siehe auch Anwendungsfehler und Überdosierung). Bei schweren oder unkontrollierbaren Blutungen ist AGGRASTAT sofort abzusetzen.
AGGRASTAT sollte unter besonderer Vorsicht bei den im Folgenden genannten Bedingungen und Patientengruppen angewendet werden:
klinisch relevante Blutung vor kurzer Zeit (unter einem Jahr)
Punktion eines nicht komprimierbaren Gefäßes innerhalb von 24 Stunden vor Gabe von AGGRASTAT
kürzlich erfolgte Punktion des Epiduralraums (Wirbelsäulenbereichs, einschließlich Lumbalpunktion oder Spinalanästhesie)
schwere akute oder chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
kardiogener Schock (bei Herzversagen)
gering bis mäßig eingeschränkte Leberfunktion
Blutplättchenzahl unter 150 000/mm3, aus der Krankengeschichte bekannte Koagulopathie (Gerinnungsstörung) bzw. Thrombozytenfunktionsstörung (Funktionsstörung der Blutplättchen) oder Thrombozytopenie (verminderte Anzahl der Blutplättchen)
Hämoglobin-Konzentration unter 11 g/dl bzw. Hämatokrit < 34 %.
Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe von Ticlopidin, Clopidogrel, Adenosin, Dipyridamol, Sulfinpyrazon und Prostacyclin.
Ältere Patienten, weibliche Patienten und Patienten mit niedrigem Körpergewicht
Ältere und/oder weibliche Patienten hatten unter AGGRASTAT häufiger Blutungskomplikationen als jüngere bzw. männliche Patienten. Patienten mit niedrigem Körpergewicht hatten häufiger Blutungen als Patienten mit höherem Körpergewicht. Daher sollte AGGRASTAT bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet und die Wirkung von Heparin sorgfältig überwacht werden.
Eingeschränkte Nierenfunktion
Es gibt Hinweise aus klinischen Studien, dass das Blutungsrisiko mit abfallender Kreatinin-Clearance, und demzufolge auch verminderter Plasma-Clearance von Tirofiban, ansteigt. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min) sind deshalb während der Therapie mit AGGRASTAT sorgfältig hinsichtlich Blutungen und bezüglich der Wirkung von Heparin zu überwachen. Bei schweren Nierenfunktionsstörungen (Niereninsuffizienz) ist die Dosis von AGGRASTAT zu vermindern (siehe auch Dosierungsanleitung, Art und Dauer der Anwendung).
Femoralarterienzugang
Unter AGGRASTAT kommt es zu einer signifikanten Erhöhung der Blutungsraten, besonders im Femoralarterienbereich (in der Leistenbeuge), wo die Einführschleuse für den Katheter platziert wird. Es sollte darauf geachtet werden, nur die Vorderwand der Femoralarterie zu punktieren. Arterielle Schleusen können entfernt werden, wenn sich die Blutgerinnung normalisiert hat, z. B. wenn die aktivierte Blutgerinnungszeit (ACT = activated clotting time) unter 180 Sekunden liegt (üblicherweise Stunden nach Absetzen von Heparin). Nach Entfernen der Einführschleuse ist für eine sorgfältige Blutstillung unter engmaschiger Nachbeobachtung zu sorgen.
Generelle Behandlungs- und Pflegeanweisungen
Die Zahl von Gefäßpunktionen und intramuskulären Injektionen soll während der Therapie mit AGGRASTAT so gering wie möglich gehalten werden.
Intravenöse Zugänge sollten nur an komprimierbaren Stellen des Körpers angelegt werden. Alle Gefäßpunktionsstellen sind sorgsam zu dokumentieren und zu kontrollieren. Die Anwendung von Blasenkathetern, nasotrachealer Intubation oder nasogastralen Sonden muss kritisch erwogen werden.
Überwachung von Laborwerten
Blutplättchenzahl, Hämoglobin sowie Hämatokrit sind vor Behandlung mit AGGRASTAT zu bestimmen sowie innerhalb von Stunden nach Beginn der Therapie mit AGGRASTAT und danach mindestens täglich für die Dauer der Therapie mit AGGRASTAT (oder häufiger, wenn Hinweise auf eine deutliche Abnahme bestehen). Bei Patienten, die bereits zuvor mit GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonisten behandelt wurden (Kreuzreaktionen sind möglich), ist die Thrombozytenzahl im Fall einer Reexposition (erneuten Anwendung) sofort, d. h. bereits innerhalb der ersten Stunde der Anwendung zu überwachen (siehe auch Nebenwirkungen).
Bei einer Verringerung der Blutplättchen unter 90 000/mm3 sollten weitere Blutplättchenzählungen durchgeführt werden, um eine Pseudothrombozytopenie auszuschließen.
Bestätigt sich die Thrombozytopenie, sind AGGRASTAT und Heparin abzusetzen.
Die Patienten sind hinsichtlich der Blutungen zu überwachen und gegebenenfalls zu behandeln (siehe auch Anwendungsfehler und Überdosierung).
Zusätzlich ist vor Behandlungsbeginn die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT – Test zur Kontrolle der Blutgerinnung) zu bestimmen. Die gerinnungshemmende Wirkung von Heparin sollte sorgfältig durch wiederholte Bestimmungen der aPTT überwacht und die Dosierung sollte entsprechend angepasst werden (siehe auch Dosierungsanleitung, Art und Dauer der Anwendung). Es kann zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen, insbesondere wenn Heparin gemeinsam mit anderen Medikamenten verabreicht wird, die – wie z. B. GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonisten - die Hämostase (Blutstillung) beeinflussen.
Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen
Es liegen keine Daten vor, ob AGGRASTAT die ähigkeit zum Fahren oder zur Bedienung von Maschinen beeinflusst.

Wie wird es angewendet?

Dieses Arzneimittel ist ausschließlich für die Anwendung im Krankenhaus durch Ärzte, die ausreichend Erfahrung in der Behandlung akuter Koronarsyndrome haben, bestimmt.
AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung muss vor der Anwendung verdünnt werden (siehe Weitere Anwendungshinweise).
AGGRASTAT wird intravenös mit einer initialen Infusionsrate von 0,4 g/kg/min für 30 Minuten gegeben. Nach Beendigung der Initialinfusion sollte AGGRASTAT mit einer Erhaltungsinfusionsrate von 0,1 g/kg/min weiter verabreicht werden. AGGRASTAT soll mit unfraktioniertem Heparin (in der Regel intravenöser Bolus von 5000 Einheiten [IE] gleichzeitig mit Beginn der Therapie mit AGGRASTAT, dann ca. 1000 IE pro Stunde - titriert anhand der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit [aPTT], welche ca. das 2fache des Normalwertes betragen sollte) und ASS, sofern nicht kontraindiziert, angewendet werden.
Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz
Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min) ist die Dosierung von AGGRASTAT um 50 % zu verringern (siehe auch Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise).
Zur gewichtsabhängigen Dosisanpassung siehe Tabelle.
AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung muss zuerst auf dieselbe Konzentration wie die gebrauchsfertige AGGRASTAT 50 Mikrogramm/ml Infusionslösung verdünnt werden, wie es unter „Weitere Anwendungshinweise“ beschrieben ist .

Patientengewicht (kg)Normale PatientenPatienten mit schwerer Niereninsuffizienz
30 min Initialinfusions-rate (ml/h)Erhaltungs-infusionsrate
(ml/h)
30 min Initialinfusions-rate (ml/h)Erhaltungs-infusionsrate
(ml/h)

Beginn und Dauer der Therapie mit AGGRASTAT
Die Therapie mit AGGRASTAT sollte möglichst innerhalb von 12 Stunden nach der letzten Angina-pectoris-Episode begonnen werden.
Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt mindestens 48 Stunden.
Die Infusion von AGGRASTAT und unfraktioniertem Heparin kann während einer Koronarangiographie (Darstellung der Herzgefäße) fortgesetzt werden und sollte mindestens 12 und maximal 24 Stunden nach einer Angioplastie/Atherektomie (gefäßchirurgische Eingriffe) beibehalten werden. Sobald der Patient klinisch stabil ist und vom behandelnden Arzt keine koronare Intervention (Eingriff am Herzen) geplant ist, sollte die Infusion abgesetzt werden. Die gesamte Behandlungsdauer sollte 108 Stunden nicht überschreiten.
Begleittherapie (unfraktioniertes Heparin, ASS)
Die Therapie mit unfraktioniertem Heparin wird mit einem intravenösen Bolus von 5000 IE begonnen und dann mit einer Erhaltungsinfusion von 1000 IE pro Stunde fortgesetzt. Die Heparindosierung wird so titriert, dass eine aPTT vom Doppelten des Normalwertes aufrechterhalten wird.
Alle Patienten sollten - sofern nicht kontraindiziert – oral ASS vor Beginn der Therapie mit AGGRASTAT erhalten. Diese Medikation sollte zumindest für die Dauer der Infusion von AGGRASTAT fortgesetzt werden.
Wenn eine Angioplastie (PTCA) durchgeführt werden muss, soll Heparin nach der PTCA gestoppt werden; die Schleusen sollen gezogen werden, sobald sich die Gerinnung normalisiert hat, z. B. wenn die aktivierte Gerinnungszeit (ACT) weniger als 180 Sekunden beträgt (üblicherweise Stunden nach Absetzen von Heparin).
Weitere Anwendungshinweise
AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung muss vor der Anwendung verdünnt werden:
Hierzu sind 50 ml aus einem 250-ml-Behälter steriler 0,9%iger Kochsalzlösung oder 5 % Glukose in Wasser zu entnehmen und durch 50 ml AGGRASTAT (aus einer Durchstechflasche zu 50 ml) zu ersetzen, um eine Konzentration von 50 g/ml zu erreichen.
Vor Anwendung gut mischen.

Was sind mögliche Nebenwirkungen?

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln
Bitte informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen bzw. vor kurzem eingenommen haben, auch wenn es sich um nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.
Die Anwendung mehrerer Thrombozytenaggregationshemmer erhöht das Blutungsrisiko, ebenso ihre Kombination mit Heparin, Warfarin und Thrombolytika. Klinische und biologische Werte der Hämostase (Blutstillung) sollten regelmäßig überwacht werden.
Die gleichzeitige Anwendung von AGGRASTAT und ASS (Acetylsalicylsäure) führt zu einer stärkeren Hemmung der Plättchenaggregation als ASS allein, wie Messungen mit dem ex vivo Adenosindiphosphat(ADP)-induzierten Plättchenaggregationstest zeigen.
Die gleichzeitige Anwendung von AGGRASTAT und unfraktioniertem Heparin führt zu einer stärkeren Verlängerung der Blutungszeit als die alleinige Gabe von unfraktioniertem Heparin.
Bei der gleichzeitigen Anwendung von AGGRASTAT und unfraktioniertem Heparin sowie ASS kam es häufiger zu Blutungen, als wenn nur unfraktioniertes Heparin und ASS gemeinsam angewendet wurden (siehe auch Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise und Nebenwirkungen).
AGGRASTAT verlängerte die Blutungszeit, jedoch beeinflusste die gemeinsame Anwendung von AGGRASTAT und Ticlopidin die Blutungszeit nicht zusätzlich.
Der gemeinsame Gebrauch von Warfarin und AGGRASTAT plus Heparin war mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert.
AGGRASTAT wird nicht gleichzeitig zu einer Thrombolyse-Therapie (Behandlung zur Auflösung eines Blutgerinnsels) empfohlen; die Verabreichung von Tirofibanhydrochlorid wird auch nicht in einem geringeren Abstand als 48 Stunden zur Thrombolyse-Therapie empfohlen. Die Kombination mit Arzneimitteln, die das Blutungsrisiko relevant erhöhen (z. B. orale Antikoagulanzien, andere parenterale GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonisten, Dextranlösungen), wird ebenfalls nicht empfohlen. Die Erfahrungen zur Anwendung von Tirofibanhydrochlorid unter diesen Bedingungen sind unzureichend, jedoch ist ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermuten.
Nebenwirkungen
Blutungen
Das am häufigsten berichtete unerwünschte Ereignis in ursächlichem Zusammenhang mit der Behandlung mit AGGRASTAT (bei gemeinsamer Anwendung mit unfraktioniertem Heparin und ASS) waren Blutungen, welche zumeist leichteren Ausmaßes waren.
In der PRISM-PLUS-Studie war die Häufigkeit starker und schwacher Blutungen insgesamt bei Patienten, die mit AGGRASTAT plus Heparin behandelt wurden, nicht signifikant höher als unter Heparin allein. Starke Blutungen traten unter AGGRASTAT plus Heparin mit einer Häufigkeit von 1,4 % und unter Heparin allein mit einer Häufigkeit von 0,8 % auf. Schwache Blutungen traten unter AGGRASTAT plus Heparin mit einer Häufigkeit von 10,5 % und unter Heparin allein mit einer Häufigkeit von 8,0 % auf. Retroperitoneale Blutungen (Blutungen hinter das Bauchfell) traten nur in Einzelfällen auf.
Unter AGGRASTAT, zusammen mit unfraktioniertem Heparin und ASS gegeben, waren gastrointestinale (im Magen-Darm-Bereich), hämorrhoidale (an Hämorrhoiden) und postoperative (nach Operationen) Blutungen, Nasenbluten, Zahnfleischbluten und flächenhafte Hautblutungen sowie Sickerblutungen/Hämatome (Bluterguss) im Bereich von Gefäßpunktionsstellen (z. B. bei Herzkatheter-Untersuchungen) signifikant häufiger als unter unfraktioniertem Heparin und ASS allein.
Nebenwirkungen außer Blutungen
Die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen, außer Blutungen, in Verbindung mit AGGRASTAT - bei gemeinsamer Verabreichung mit Heparin - waren Übelkeit, Fieber und Kopfschmerz.
Die Häufigkeit unerwünschter nicht blutungsbedingter Ereignisse war höher bei Frauen (verglichen mit Männern) und älteren Patienten (verglichen mit jüngeren Patienten). Jedoch war die Häufigkeit nicht blutungsbedingter unerwünschter Ereignisse bei diesen Patienten vergleichbar zwischen den Gruppen „AGGRASTAT mit Heparin" und „Heparin allein".
[Häufig: (>, <)]
Erkrankungen des Nervensystems und psychiatrische Erkrankungen:
Häufig: Kopfschmerzen.
Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts:
Häufig: Übelkeit.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort:
Häufig: Fieber.
Untersuchungen:
Die häufigsten Laborwertveränderungen unter AGGRASTAT standen im Zusammenhang mit Blutungen: Abnahme von Hämoglobin und Hämatokrit sowie ein vermehrtes Auftreten von verborgenem Blut in Urin und Stuhl.
Gelegentlich trat unter einer Therapie mit AGGRASTAT ein akuter Abfall der Blutplättchenzahl bzw. eine Blutplättchenabnahme auf unter 90.000/mm3 (Thrombozytopenie) auf. Eine Blutplättchenabnahme auf unter 50.000/mm3 trat selten auf. Diese Verminderungen normalisierten sich nach Absetzen von AGGRASTAT wieder. Bei wiederholter Gabe von GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonisten wurden auch bei Patienten ohne vorherige Thrombozytopenie in der Krankengeschichte akute und starke Verminderungen der Zahl der Blutplättchen beobachtet.
Folgende zusätzliche Nebenwirkungen wurden nicht so häufig nach Markteinführung berichtet; sie basieren jedoch auf Spontanberichten, für die keine genauen Angaben zur Häufigkeit möglich sind:
Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems:
Intrakranielle Blutungen (in der Schädelhöhle), retroperitoneale Blutungen (hinter das Bauchfell), Hämatoperikard (Blutansammlung im Herzbeutel), Lungenblutungen und epidurale Hämatome im Spinalbereich (Blutansammlungen im Bereich des Rückenmarks). Auch tödliche Blutungen wurden selten berichtet.
Akuter und/oder starker Abfall der Thrombozytenzahl (Blutplättchenzahl) (< 20.000/mm3), evtl. von Schüttelfrost, leichtem Fieber oder Blutungskomplikationen begleitet (siehe oben Untersuchungen).
Erkrankungen des Immunsystems:
Schwere allergische Reaktionen (z. B. krampfartige Verengungen der Atemwege, Nesselsucht) einschließlich anaphylaktische Reaktionen (schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen). Solche älle traten sowohl während der Initialinfusion (auch schon am ersten Tag) als auch während einer wiederholten Anwendung von Tirofiban auf. Bei einigen Fällen kam es auch zu schweren Thrombozytopenien (starke Abnahme der Blutplättchen < 10.000/mm3).
Wenn Sie diese oder andere Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage aufgeführt sind, bei sich beobachten, teilen Sie diese bitte Ihrem Arzt oder Apotheker mit.

Wie soll es aufbewahrt werden?

Hinweise und Angaben zur Haltbarkeit
AGGRASTAT soll nach Ablauf des auf der Packung aufgedruckten Verfalldatums nicht mehr angewendet werden.
Nicht verbrauchte Restmengen sind zu verwerfen.
Aufgrund mikrobiologischer Erwägungen sollte die verdünnte Infusionslösung sofort verbraucht werden. Wird die Lösung nicht sofort verbraucht, liegen die Aufbewahrungsbedingungen in der Verantwortung des Anwenders und sollten normalerweise 24 Stunden bei  C nicht überschreiten.
Nur anwenden, wenn die Lösung klar und farblos und die Durchstechflasche unversehrt ist.
Nicht einfrieren.
Das Behältnis im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Arzneimittel unzugänglich für Kinder aufbewahren!
Stand der Information: November 2009
Besonderer Hinweis
Dem Arzt stehen ausführliche wissenschaftliche Informationen über AGGRASTAT zur Verfügung, aufgrund derer er die sachgerechte Anwendung dieses Arzneimittels bestimmt. AGGRASTAT soll nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden.

Zusätzliche Informationen

Textentwurf für
Gebrauchsinformation
Produkt
AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Nach ZulassungsübertragungDarreichungsform
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
ENR 2142618 Zul.-Nr. 42618.00.00

Gebrauchsinformation
AGGRASTAT 250 Mikrogramm/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Wirkstoff: Tirofibanhydrochlorid 1 H2O
Durchstechflasche mit 50 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.
Das Konzentrat ist klar und farblos.
Indikationsgruppe
Thrombozytenaggregationshemmer
GPIIb/IIIa-Rezeptorantagonist
Anwenden nach der Dosierungstabelle.
Parenteral anzuwendende Arzneimittel sollten, sofern Lösung bzw. Behälter es zulassen, vor Gebrauch auf sichtbare Partikel oder Verfärbung geprüft werden.
AGGRASTAT ist nur intravenös anzuwenden und kann gemeinsam mit unfraktioniertem Heparin durch denselben Infusionsschlauch verabreicht werden.
Es wird empfohlen, AGGRASTAT mit einem kalibrierten Infusionsbesteck zu verabreichen, hierbei sind sterile Geräte zu verwenden.
Es ist darauf zu achten, dass keine Verlängerung der Infusion mit der Anfangsdosis erfolgt und dass eine Falschberechnung der Infusionsraten der Erhaltungsdosis auf der Basis des Patientengewichts vermieden wird.
Mit Diazepam (Beruhigungsmittel, das auch vor Operationen eingesetzt wird) wurde eine Inkompatibilität (Unverträglichkeit) festgestellt. Deshalb sollten AGGRASTAT und Diazepam nicht durch denselben Infusionsschlauch verabreicht werden.
Zwischen AGGRASTAT und den folgenden intravenösen Zubereitungen wurden keine Inkompatibilitäten festgestellt: Atropinsulfat, Dobutamin, Dopamin, Epinephrin-HCl (Adrenalin), Furosemid, Heparin, Lidocain, Midazolam-HCl, Morphinsulfat, Glyceroltrinitrat (Nitroglyzerin), Kaliumchlorid, Propranolol-HCl und Famotidin-Injektionslösung.
Anwendungsfehler und Überdosierung
In den klinischen Studien kam es zu versehentlicher Überdosierung von AGGRASTAT bis zu 50 g/kg als 3-Minuten-Bolus bzw. 1,2 g/kg/min als Initialinfusion.
Eine Überdosierung bis zu einer Erhaltungsinfusionsrate von 1,47 g/kg/min kam ebenfalls vor.
a) Symptome einer Überdosierung
Das am häufigsten berichtete Symptom einer Überdosierung waren Blutungen; zumeist Schleimhautblutungen und lokalisierte Blutungen an der arteriellen Punktionsstelle für die Herzkatheterisierung, aber auch Einzelfälle von intrakraniellen und retroperitonealen Blutungen (Blutungen im Schädel und hinter das Bauchfell) (siehe auch Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise).
b) Maßnahmen
Eine Überdosierung von AGGRASTAT ist entsprechend dem klinischen Zustand des Patienten sowie gemäß der Beurteilung des behandelnden Arztes zu therapieren.
Ist eine Blutungsbehandlung erforderlich, sollte AGGRASTAT abgesetzt werden. Transfusionen von Blut und/oder Thrombozyten sind ebenfalls in Erwägung zu ziehen.
AGGRASTAT kann durch Hämodialyse entfernt werden.


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